Juli 09 - Friedhof der Automarken
Die Wirtschafts- und Finanzkrise lässt zahlreiche renommierte Unternehmen verschwinden. Eisenbahn-Fans trauern um Märklin, Cabrio-Fans um Karmann und Auto-Fans können wohl bald einen Nachruf auf verschiedene Automarken verfassen. Der insolvente US-Automobilhersteller General Motors (GM) verkündete erst vor kurzem das Ende einer automobilen Legende. Spätestens 2010 will GM die Marke Pontiac auslaufen lassen und damit ist das Karriereende eines Filmstars besiegelt. Als sprechendes Wunderauto sorgte der Pontiac Firebird Trans Am unter dem Namen „K.I.T.T.“ in der Serie „Knight Rider“ für Furore und kämpfte an der Seite von David Hasselhoff für Recht und Gesetz. Doch damit ist der Film- und Fernsehkarriere des Trans Am nicht genug: In „ein Ausgekochtes Schlitzohr“ lieferte sich Burt Reynolds in diesem Auto heiße Verfolgungsjagden mit der Polizei. Doch Star-Status hin oder her, die Krise macht auch vor Filmstars nicht halt. Denn GM will sich künftig ganz auf die rentablen Kernmarken wie Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC konzentrieren, Kino für die breite Masse sozusagen. Während die letzten Tage von K.I.T.T. gezählt sind, bleibt der Buick auf dem Markt. Dies dürfte auch daran liegen, dass sich das Auto in die Herzen der Chinesen „gespielt“ hat und das Reich der Mitte ist schließlich einer der letzten übrig gebliebenen Wachstumsmärkte. So gehörten die Buick-Modelle Regal und LaCrosse auch zu den wichtigsten Neuheiten auf der Shanghai Motor Show.
Doch das Schicksal von Pontiac ist bei weitem kein Einzelfall – auch in Deutschland haben wir zahlreiche Automarken kommen und gehen sehen. Ein Blick auf die Veteranentafel der Automobilgeschichte:
Vom Volksauto zum Auslaufmodell
Auch der Trabant – einst Volksfahrzeug in der DDR – fand ein jähes Ende am 30. April 1991 um 14.51 Uhr. Zu allem Überfluss trug der letzte Repräsentant dieser Gattung die Farbe Pink. Obwohl die deutschen Autobauer den Trabant – liebevoll Trabi genannt – auf den Autofriedhof verwiesen, hat er bei Liebhabern einen Kultstatus erreicht. So wird der Mythos Trabi von einzelnen Fans auch weiterhin auf Deutschlands Straßen am Leben gehalten.
Der Dampfkraftwagen (DKW)
Auch der Wegbereiter des Zweitaktmotors in Europa, der DKW, wurde von den deutschen Autobauern auf den Autofriedhof befördert – obwohl das Fahrzeug selbst der Deutschen Bundeswehr diente. Doch all das konnte das Ende des DKW nicht verhindern. Im Dezember 1968 lief schließlich mit dem Modell Munga das letzte DKW-Zweitaktmodell vom Band.
Der „Schneewittchensarg“
Die tragische Geschichte der untergegangen Automarken setzt sich unaufhörlich fort. 1964 fand die Produktion des Messerschmitt / Fendt ihr jähes Ende. Was 1948 als Einzelfertigung begonnen hatte, ging 1953 im Messerschmitt-Werk in Regensburg in Serie: der Kabinenroller Messerschmitt KR 175 von Fritz Fendt. Das Gefährt wurde wegen seiner Kuppel aus Plexiglas auch „Schneewittchensarg“ genannt.
Symbol des Wirtschaftswunders
Einst war der Borgward Isabella der Traumwagen der Wirtschaftswunderzeit, dann wurde er zum Opfer wirtschaftlichen Unvermögens. Dieses Auto ging mit dem Konkurs der Borgward-Werke im September 1961 unter. Das Ende des Firmenimperiums zeichnete sich bereits über Monate hin ab und war – möglicherweise – nicht nur die Folge wirtschaftlichen Unvermögens, sondern auch einer Intrige der Konkurrenz.
Bleibt ein Hoffnungsschimmer zum Schluss: Ganz nach dem Motto „Totgesagte leben länger“ will Opel die DDR-Marke Wartburg wiederbeleben. Laut Zeitschrift „Auto Bild“ soll der neue Wartburg auf einer technisch abgespeckten Version des Opel Corsa aufbauen und ab rund 7.000 Euro zu haben sein.


